Der Wohnimmobilienmarkt wird Corona verkraften

16. April 2020

Eine Prognose des Forschungsinstituts empirica gibt einen kleinen Lichtblick: Laut des empirica-Immobilienpreisindex für das 1. Quartal 2020 wird erwartet, dass das Coronavirus zu keinem bleibenden Schaden am Wohnimmobilienmarkt führen wird.

Es wird damit gerechnet, dass sich die Kaufpreise für Wohnimmobilien ab Ende 2021 entweder stabilisieren oder sogar wieder in die Höhe klettern werden. Durch die Einschränkungen aufgrund von Corona sei jedoch laut Studie zu erwarten, dass die Preise zunächst um 10 % bis 25 % sinken werden, bevor es wieder aufwärtsgeht.

In der empirica-Studie werden die Gründe für den Abwärtstrend aufgeführt. Dazu gehören:

  • Eine Erhöhung der Zinsen aufgrund eines erhöhten Liquiditäts- oder Kapitalbedarfs, der u. a. auf Einkommensverluste zurückzuführen sein kann.
  • Gebremster Zuzug in die Städte.
  • Es ist mit Notverkäufen zu rechnen.
  • Personal- und Materialmangel auf dem Bau führe dazu, dass sich der Neubau verzögert.
  • Das Börsentief führe zu einer reduzierten Nachfrage der Anleger, wie z. B. abgebrochene Transaktionen vermuten lassen.

Die Gründe für den Aufschwung sind nach Ansicht von empirica ein Spiegelbild der oben aufgeführten Gründe:

  • Zinssenkung
  • Nachdem die Grenzen wieder öffnen, werden Menschen aus (Süd-)Europa und Großbritannien nach Deutschland zuwandern (bedingt durch die Corona-Krise).
  • Es werden keine Notverkäufe mehr getätigt.
  • Die Baustellen könnten weiterhin mit Problemen zu kämpfen haben, wie beispielsweise durch insolvente Bauträger oder eine Zunahme in der Nachfrage bei Anlegern. Somit bleibe das Angebot begrenzt, während zeitgleich ein Anstieg der Nachfrage zu verzeichnen sein wird, was für den Immobilienmarkt gute Voraussetungen sind.

Sozialstaat hilft bei den Mieten

Infolge der Corona-Krise könnte die Arbeitslosigkeit ansteigen, wodurch insbesondere Freiberufler und Selbstständige in finanzielle Schwierigkeiten geraten könnten. Doch hierzulande stellt der Sozialstaat dank Hilfen wie Wohngeld, Kurzarbeitergeld und Hartz IV sicher, dass sich Deutschland relativ schnell wieder von der Krise erholen kann.

Empirica kommt zu dem Schluss, dass Deutschland für Kapitalanleger auch zukünftig sicher bleibt und es eine stabile Nachfrage nach Wohnraum geben wird. Zudem sei zu erwarten, dass der Wohnungsmarktzyklus auch ohne das Coronavirus mit der Zeit zu Ende gegangen wäre.

Kaufpreise wachsen erneut schneller als die Mietpreise

Die Analysten haben nicht nur die Auswirkungen der Corona-Pandemie unter die Lupe genommen, sondern auch die Angebotspreise für Mieten und Kauf bewertet. Das Ergebnis: Über alle Baujahre hinweg ist der durchschnittliche Index der Miet- und Eigentumswohnungen und auch von Ein- und Zweifamilienhäusern angestiegen. Den höchsten Anstieg verzeichnet dabei der Index für Eigentumswohnungen mit einem Plus von 2,8 % im Vergleich zum Vorquartal, während der Index für Ein- und Zweifamilienhäuser um 2,7 % gestiegen ist. Einen deutlich niedrigeren Anstieg gibt es bei den Mietpreisen mit 0,8 %.

Auch in Hinsicht auf neugebaute Ein- und Zweifamilienhäuser sowie Wohnungen steigen die Indices. Verglichen mit dem ersten Quartal 2020 registrieren neugebaute Eigentumswohnungen ein Plus um 2,1 % und neugebaute Ein- und Zweifamilienhäuser um 2,4 %. Der Index für neugebaute Mietwohnungen steigt jedoch lediglich um 0,8 %.