IW-Studie: Trotz Mietsteigerungen bei Neuverträgen ist Wohnen kein unbezahlbarer Luxus

23. Juli 2020

Ausgewertete Sitzungsprotokolle zeigen, dass der Begriff „soziale Frage” in der aktuellen Legislaturperiode in den Plenardebatten des Bundestages so häufig auftauchte wie nie zuvor, insbesondere beim Thema Wohnen. Wird Wohnen tatsächlich zunehmend zu einem unbezahlbaren Luxus? Laut einer vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln durchgeführten Studie ist dies nicht der Fall.

Im letzten Jahrzehnt sind die Quadratmeterpreise bei Neuvermietungen stetig in die Höhe geklettert. Darüber herrscht Einigkeit. Vor allem die Großstädte haben einen Anstieg verzeichnen können und in Deutschlands Top-7 sind die Preise seit 2010 jedes Jahr um 4,3 % gestiegen.

Zeitgleich sind allerdings auch die Einkommen gestiegen. Vor der Corona-Pandemie haben Mieterhaushalte seit 2010 durchschnittlich ein 7 % höheres Einkommen erhalten. Dadurch ist die Wohnkostenbelastung (Wohnkosten im Verhältnis zum Einkommen) relativ gleich geblieben.

Deutlicher Preisunterschied bei Neuvermietungen vs. Bestandsmieten

Hohe Mieten sind häufig für diejenigen ein Problem, die eine neue Mietwohnung suchen. So waren Neuvertragsmieten zwischen den Jahren 2016 und 2018 durchschnittlich 14 % teurer als Bestandsmieten. Aufgrund der Mietpreissteigerungen wählen neue Mieter nun häufiger kleinere Wohnungen, fand die Studie heraus. Während in 2018 Bestandsmieter pro Kopf auf 49,5 Quadratmetern lebten, waren es bei neuen Mietverträgen im Schnitt nur 45,6 Quadratmeter. Dadurch halten neue Mieter ihre Mietkosten in Grenzen.

Mehr Kontrolle bei Sozialwohnungen

Trotz allem erkenne der IW auch „Verlierer am Mietwohnungsmarkt”. Aufgrund der Corona-Krise könnte sich deren Lage verschärfen. Nach Ansicht des IW sei Wohngeld in solchen Fällen ein „gutes sozialpolitisches Instrument”. Daher regt der IW die Überlegung an, das Wohngeld für einen größeren Personenkreis bereitzustellen, wenigstens in den teuren Metropolen. Zudem rät der IW zu einer Befristung der Mietverträge von Sozialwohnungen, um regelmäßig überprüfen zu können, ob die Mieter tatsächlich noch Bedürftige sind.