Passivhäuser doch nicht so energieeffizient?

Seit 1990 das erste Passivhaus in Darmstadt gebaut wurde, setzt sich der Trend zum energiesparenden Bauen immer weiter durch. Doch nun ergab eine Studie, dass Passivhäuser anscheinend doch nicht so energieeffizient sind, wie lange behauptet.

Experten befürchten Pflicht der Passivhaus-Standards

Auch wenn der Bau des ersten Passivhauses erst ca. 26 Jahre zurückliegt, hat sich diese Bauform vielerorts bereits umgesetzt. Die Frankfurter Wohnungsbaugesellschaft ABG erbaute bereits über 4.000 Gebäude mit diesen Standards, um den Energieverbrauch weitgehend zu senken. Experten für den Städtebau wie Martin Wentz befürchten jedoch, dass diese Selbstauflage bald Pflicht wird. Gemäß der europäischen Richtlinie 2010/31/EU zur Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden sollen alle Neubauten ab Ende 2020 den Ansprüchen von Niedrigstenergiehäusern entsprechen, deren Energiebedarf zum Teil aus erneuerbaren Energien gedeckt wird. Das Vorhaben ist löblich, doch wird teuer für die Bauherren.

Vergleich ergibt: Passivhäuser doch nicht so energieeffizient

Umso größer war die Verwirrung, als Thomas Keller (Bereichsleiter Bau/Technik der Wiesbadener Wohnungsgesellschaft) die Ergebnisse eines Passivhaus-Checks vorstellte, bei der die Effizienz unter möglichst ähnlichen Bedingungen erbaute Passivhäuser verglichen wurde. Fazit:
  • Bei den Heizkosten waren die getesteten Passivhäuser 19 % günstiger,
  • doch der Stromverbrauch 35 % höher.
Dieser Mehrverbrauch wird auf den Stromverbrauch der Lüftungsanlagen von Passivhäusern zurückgeführt. Würden auch noch Aspekte wie der Energieaufwand die Herstellung der speziellen Baumaterialien einfließen, wäre das Resümee wohl noch schlechter. Die Ergebnisse dieses Vergleichs holen Passivhaus-Kritiker wieder auf den Plan, die in diesem Baumodell nur Geldverschwendung sehen. Doch es gibt auch Befürworter wie den Geschäftsführer der ABG, Frank Junker, der im Zuge der Diskussion ebenfalls die Verbrauchswerte der firmeneigenen Passivhäuser heranzieht und eine deutlich bessere Bilanz zieht.