Vermieter und Mieter ziehen immer seltener vor Gericht

Jinny Verdonck

28. Januar 2021

Mietverhältnisse scheinen nach Angaben des Statistischen Bundesamts (Destatis) und des Deutschen Mieterbunds (DMB) zunehmend harmonischer zu werden: Die Zahl der Gerichtsprozesse bei Mietstreitigkeiten nimmt stetig ab. Zuletzt wurde sogar der niedrigste Stand seit 30 Jahren verzeichnet.

In regelmäßigen Abständen wird durch den Deutschen Mieterbund eine Statistik über Rechtsberatungen und Mietrechtsprozesse veröffentlicht. Diese Statistiken beruhen auch auf Daten von Destatis. Das Ergebnis ist, dass Vermieter und Mieter im Jahr 2019 etwa 213.518 Mal vor den Amts- und Landgerichten verhandelt haben. Dies stellt den niedrigsten Wert seit der Wiedervereinigung dar. Seit dem Jahr 1996 geht die Zahl der Gerichtsverfahren zudem immer weiter nach unten.

Die häufigsten Streitpunkte

Keine Veränderungen gab es bei den zentralen Streitpunkten. Ganz oben auf der Liste der strittigen Punkte stehen Rechte und Pflichten aus dem Mietverhältnis. Diese stellen etwa 30 % der Fälle dar. Dazu gehören beispielsweise Mietpreisbremse, Mietminderungen, Mängel und Tierhaltung. Auch die Mietkaution und Betriebskosten lösen häufig Streit zwischen Vermieter und Mieter aus. In 16,2 % der Fälle wird auch über Mieterhöhungen gestritten. Weniger problematisch scheinen hingegen Kündigungen wegen Eigenbedarf zu sein, denn diese stellen nur 7,6 % der Fälle dar.

Rechtsberatung in Bezug auf die Corona-Krise

Von den ca. 1 Millionen Rechtsberatungen ging es bei rund einem Drittel um Betriebskosten. Aber auch die Corona-Pandemie war Thema bei den Rechtsberatungen. Der DMB gab bekannt, dass Mieter sich verstärkt in Sachen Mietzahlungspflicht und Mietreduzierungen informiert haben. Es tauchte auch häufig die Frage auf, ob sie Vermieter und Handwerker trotz der Corona-Pandemie in die Wohnung lassen müssen. Darüber hinaus erkundigten sich die Mieter bei der Rechtsberatung auch über Homeoffice und Sport treiben. Des Weiteren waren Umwandlungen von Miet- in Eigentumswohnungen verstärkt Thema bei den Beratungen. Daneben auch Vermieterkündigungen und Mieterhöhungen auf die ortsübliche Vergleichsmiete.